FinTechs in der Bankenwelt – Disruptive Züge?

In letzter Zeit ist in den Medien vermehrt von sogenannten FinTechs die Rede. In diesem Zusammenhang wird häufig diskutiert, inwiefern sie eine Bedrohung für Banken darstellen. Doch was ist eigentlich unter dem Begriff FinTech zu verstehen?

Eine allgemeingültige Definition gibt es nicht, ähnlich wie bei dem Wort Start-Up ist der Begriff dehnbar und lässt gestalterische Freiräume. FinTech steht für Financial Services und Technology und ist in erster Linie ein Sammelbegriff für digitale Innovationen im Finanzdienstleistungsbereich mit dem Ziel, diese zu revolutionieren. Neben prominenten Themen wie Bezahlsysteme, Kreditwesen und (Crowd-)Funding, befassen sich FinTechs auch mit kreativen Lösungen im Bereich Investment und Anlage (z.B. Social Trading) oder mit technischen Ansätzen wie beispielsweise Sicherheitssystemen. Man sieht also: die Menge an Unternehmen und die Vielzahl an Anwendungsbereichen begründet die Komplexität der Fintech Branche. So verschieden die Marktsegmente, so verschieden sind auch die Spieler auf dem Markt. Neben einigen etablierten Unternehmen tummeln sich etliche Start-Ups auf dem Markt, Tendenz steigend.

Stellt die FinTech Branche nun eine ernstzunehmende Bedrohung für traditionelle Banken dar?

Die Kerngeschäftsfelder der Banken sind Bezahlsysteme/Geldtransfer, das Einlagen- und das Kreditgeschäft. FinTech-Unternehmen, die ihre Geschäftsmodelle auf diese Bereiche fokussieren, treten somit in den direkten Wettbewerb zu den klassischen Banken. Dass sich Internet- und Tech-Start-Ups zu Substituten für herkömmliche Unternehmen entwickeln, hat sich bereits des Öfteren gezeigt – man denke beispielsweise an Zalando oder Amazon. Das Geschäftsfeld der Banken unterscheidet sich hiervon in dem Sinne, dass deren Klientel auf ein besonders vertrauensvolles Verhältnis unter Bewahrung von Diskretion Wert legt. Werte, die eher selten mit dem Internet in Verbindung gebracht wurden. Durch die globale Vernetzung und die starke Senkung der Kommunikationskosten sind Online-Prozesse jedoch bereits in der Mitte der Gesellschaft verankert.  Mit der Verlagerung einfacher Banking-Prozesse in das Internet (Online-Banking) wurde die Grenze zwischen Diskretion der Banken und dem Internetgeschäft verwässert und die Verbraucher schrittweise an Banking im Internet gewöhnt.

FinTech Unternehmen nutzen diese Entwicklung für sich und übernehmen Teile der Geschäftsfelder klassischer Banken. Hierbei legen FinTechs vor allem Wert auf hohe Kundenorientierung und größtenteils automatisierte Prozesse. Von Vorteil ist hier, dass sich die Unternehmen im Gegensatz zu Banken nicht in allen Geschäftsfeldern engagieren, sondern den Fokus auf einen Bereich legen. Dadurch entstehen massive Spezialisierungsvorteile, welche sich auf der Kostenseite niederschlagen. Durch die kontinuierliche Verbesserung der Prozesse sind deutlich größere Skaleneffekte erzielbar. Neben den Kostenvorteilen, die an die Kunden weitergegeben werden, bieten FinTech Unternehmen auch eine sehr hohe Benutzerfreundlichkeit. Die komplizierten Finanzprodukte werden leicht verständlich auf der Homepage erklärt und anfallende Kosten werden nachvollziehbar dargestellt. Ein erhöhtes Maß an Transparenz und die Vergleichbarkeit sowie der unkomplizierte Vertragsabschluss mit wenigen Klicks direkt auf der Homepage heben hier den bekannten ROPO-Effekt (Research Online – Buy Offline) auf.

Um das Substitutionsrisiko zu mindern, können klassische Banken mit einem großen Filialnetz und einer deutlich höheren Anzahl gesetzlicher Auflagen weniger über den Preis als über die Kundenfreundlichkeit agieren. Der größte Differenzierungsfaktor und somit die USP (Unique Selling Proposition) gegenüber den FinTechs ist der persönliche Kontakt. Die Informationen über verschiedene Produkte müssten transparent und verständlich bereitgestellt werden.

Dem Risiko des Verlustes von Marktanteilen durch die neue Konkurrenz steht die Chance gegenüber, bestehende Prozesse zu überdenken und von den neuen Marktteilnehmern zu lernen. Wenn herkömmliche Banken diesen Trend nicht ignorieren, wird sich das berühmte Zitat „banking is necessary – banks are not“ zumindest auf absehbare Zeit nicht bewahrheiten.

Patrick Epple

Von |2017-01-05T16:48:28+00:007. April 2016|Kapitalmärkte|